Im Februar 2010 fand eine Präsentation des Filmes Black Berlim sowie ein Interview mit der brasilianischen Filmproduzentin Sabrina Fidalgo  im Rahmen des Seminars “Bilder der Bewegten – Migration und Diaspora im Film” am Lateinamerikainstitut der FU-Berlin statt. Die Regisseurin war über Skype live aus Rio de Janeiro zugeschaltet während der Kameramann Ras Audauto sich mit uns persönlich über seine Arbeit austauschte. Das Gespräch mit den Machern von Black Berlim war sowohl für uns als auch für Sabrina und Adauto eine Bereicherung, da durch den Austausch der Eindrücke des jeweils Anderen neue Perspektiven auf den Film geöffnet werden konnten und beide Seiten neue Erkenntnisse in Bezug auf die verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten gewannen.

Der Film

In dem Kurzfilm Black Berlim geht es um den ausländischen Studenten Nelson, der aus Bahia (Brasilien) kommt und jetzt in Berlin lebt. In seiner neuen Umgebung versucht er einen europäischen Lebensstil zu waren, fernab von der Realität in seinem Heimatland. Nelson befindet sich gerade in der U-Bahn als er plötzlich die Senegalesin Maria wahrnimmt, die illegal in Berlin lebt und sich im Konflikt mit dem Fahrkartenkontrolleur befindet, da sie kein Ticket hat. Nelson hilft ihr schließlich aus der Not. Diese Begegnung veranlasst Nelson sich an seine eigene Vergangenheit und seine Kindheit zu erinnern, in der er „nur“ der Sohn einer Hausangestellten war. Er beginnt sich seiner Wurzeln bewusst zu werden, die er vorher verleugnete. Die U-Bahnfahrt spiegelt die Gegenwart im Film wieder. Des Weiteren wird auch mit Rückblenden gearbeitet, die Nelsons Kindheit in Brasilien repräsentieren.

Inhalt und Entstehung

Die Idee zu dem Film Black Berlim kam Sabrina sehr spontan. 2007 zog Sabrina nach Berlin um und entwickelte zu dieser Zeit schon den Dokumentarfilm Cidade do Funk. Kurz vor einer Reise nach Brasilien kamen ihr über Nacht gute Ideen für zwei Drehbücher. Bei der Auswahl entschied sie sich für das Drehbuch zu Black Berlim. Sabrina lag es am Herzen über das Thema des Ausländerseins zu sprechen. Das Gefühl an einem bestimmten Ort anders zu sein ist eine Erfahrung, die sie selbst als Ausländerin und schwarze Frau in Deutschland erlebt hat. Nachdem sie sich für das Drehbuch entschieden hatte sprach sie mit Freunden und mit dem Kameramann Adauto, der sogar ein Freund ihrer Eltern ist, und organisierte das Equipment, die Schauspieler und die Technik. Sabrina hatte nur zwei Tage um das Drehbuch fertigzustellen, und die gesamten Dreharbeiten mussten ohne finanzielle Unterstützung und nur mit Hilfe von kooperativer Zusammenarbeit stattfinden.

Die Regisseurin

Sabrina Fidalgo (31) ist eine brasilianische Filmregisseurin aus Rio de Janeiro, die seit 2007 in Berlin und Rio de Janeiro lebt. Bevor Sabrina mit der Filmproduktion begann war sie eher mit dem Theater beschäftigt, da sie an der Universität in Rio de Janeiro Theater studierte. Außerdem sind ihre Eltern die Gründer einer Theatergesellschaft namens Teatro Profissional do Negro (Professionelles Theater des Schwarzen), einer Gesellschaft, die den Schwerpunkt auf das Schwarzsein und auf den Rassismus legt. 2001 führte ein Stipendium für ein Deutschstudium in München Sabrina schließlich nach Deutschland. Nach zwei Jahren des Studiums trat sie dem Studienkolleg bei und ihr gelang der Eintritt in die Münchner Filmhochschule. Zur gleichen Zeit erhielt sie ein weiteres Stipendium an der Universität in Córdoba (Spanien), an der sie ihr Studium zum Drehbuchschreiben vertiefte. 2003 lebte sie schon in Berlin und begann schließlich selbst Filme zu machen. Zunächst bearbeitete sie Filme der Filmhochschule und konnte so ihre Erfahrungen sammeln. Dann konzentrierte sie sich auf die Entwicklung ihrer eigenen Projekte und auf die Produktion von Kurzfilmen. Durch ihren ersten Kurzfilm Sónar 2006 – Special Report, in dem es um das Festival für elektronische Musik in Barcelona geht, gelang ihr letztendlich der Einstieg in einige kleine Filmfestivals und die Anerkennung ihrer Produktionstätigkeit.

Die Dreharbeiten

Die Dreharbeiten für den Film Black Berlim fanden an einem einzigen Tag im Frühjahr 2009 statt. Die Szenen, die die Kindheit Nelsons repräsentieren, wurden nicht in Berlin, sondern in Rio de Janeiro gedreht. Da Sabrina und ihre Crew keine finanzielle Unterstützung und nicht viel Zeit für die Szenen in Berlin hatten musste alles sehr schnell gehen. Adauto erzählte eine Anekdote der Dreharbeiten: Am Tag der Aufnahmen hatten sie eine Freundin Sabrinas eingeladen um die Rolle der Frau im Klub zu spielen. Als sie in der Torstraße ankamen wollte Sabrinas Freundin die Rolle nicht mehr spielen und ging. Da sie keine Zeit hatten ging Sabrina schließlich vor den Klub und traf auf eine Frau auf einem Fahrrad, die völlig durchnässt war, weil es gerade regnete. Sabrina nahm sich die Frau und sagte, ob sie mit zu ihr nach Hause möchte um trockene Sachen anzuziehen. Und so geschah es, dass diese Frau die Rolle der Deutschen im Klub übernahm.

/von Charlene Florencio dos Santos

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